Walzprofiliermodul

Walzprofilieren – auch als Längsprofilieren oder kurz Profilieren bezeichnet – wird nach DIN 8586 den Biegeumformverfahren mit drehender Werkzeugbewegung zugeordnet. Durch Walzprofilieren lassen sich einfache und verwickelte Profile fast beliebiger Länge sowohl aus Stahlwerkstoffen als auch aus NE-Metallen herstellen. Die Verarbeitung höher- und höchstfester Stähle, die aufgrund ihres Leichtbaupotenzials zunehmend Eingang in den Karosseriebau finden, stellt für das Profilieren eine lösbare Herausforderung dar.

Eine große wirtschaftliche Bedeutung hat das Walzprofilieren bei der Fertigung von mittelgroßen bis großen Serien. Beim Profilieren wird ein Blech in mehreren aufeinander folgenden Sätzen von zumeist je zwei Profilierrollen in so genannten Gerüsten stufenweise von seiner Ursprungsgeometrie zum gewünschten Profil (offen oder geschlossen) durch Biegen umgeformt. Hierzu wird die Geometrie des Spaltes zwischen den zwei gegenüberstehenden Rollen in jeder Stufe geändert und somit die im jeweiligen Gerüst gewünschte Formänderung in das Blech eingebracht.

Für das flexible Anlagenkonzept wurde eine Walzprofilieranlage mit der Bezeichnung „P3.200.20- Sonder“ des Anlagenherstellers Dreistern, mit einem für das HSC- und Spaltmodul verträglichen Maschinenfundament der Firma Albert Keller Maschinenbau, mit einer Gesamtlänge von 45 Meter kombiniert. Herausforderung hierbei war die ausreichende Verwindungssteifigkeit des Aufbaus bei geringer Bauhöhe und Breite, zu gewährleisten.

Abbildung 1: Walzprofiliermodul

Die Gesamtanlage hat eine Länge von ca. 75 Meter und besteht aus Haspel, Coil- Richtapparat, Bandschlaufe, Einlauftisch, Maschinenfundament mit den einzelnen Modulen, Profilrichtapparat, Laserkabine und Trennmodul. Die Anlage verfügt über eine 10 Tonnen Haspel für Bandbreiten bis 600 mm mit einer anschließenden 7- Rollen Richtmaschine der Firma AMT. Eine folgende Bandschlaufe ermöglicht sowohl einen diskontinuierlichen als auch einen kontinuierlichen Betrieb.

Abbildung 2: Trennmodul

Über einen Einlauftisch wird das Blechband oder die Platine der Anlage zugeführt. Die Arbeitshöhe aller Module beträgt exakt 1050 mm. Die Profiliergerüste verfügen über Arbeitswellen mit einem Durchmesser von 100 mm und einem variablen Achsabstand zwischen 170 und 450 mm bei einer maximalen Werkzeugbreite von 660 mm. Der Nenndurchmesser der Unterrolle beträgt 240 mm.

Die Antriebsleistung von 11,3 kW je Arbeitswelle ermöglicht Profiliergeschwindigkeiten von bis zu 100 m/min. Eine Simatic- S7 Steuerung der Firma Siemens ermöglicht hierbei zentral das freie Einstellen der Antriebe getrennt für jede Ober- und Unterwelle, wobei gleichzeitig die Positionen der einzelnen Gerüste auf dem Maschinenfundament frei wählbar sind. Dies gelingt durch das örtliche Entkoppeln der Motorelektronik von der Steuerung. Diese befindet sich für die beiden Antriebe direkt am Gerüst und wird somit flexibel verschoben. Über den vorhandenen Profibus erkennt die Steuerung die jeweils angeschlossenen Antriebe, die über die Software von einander unabhängig angesprochen werden können. Insgesamt sind 20 Profiliergerüste mit 10 Seitenrollentischen vorhanden.

Das Abtrennen des Profilstranges erfolgt über eine mitfahrende Kaltkreissäge der Firma DRY TECH des Typs 355 HSPI. Der Arbeitsraum für Rechteckprofile beträgt maximal 100 x 140 mm (Höhe x Breite) bei einem Sägeblattdurchmesser von 355 mm und einem 90° Schnitt. Der Mitlaufweg beträgt aufgrund der Bandgeschwindigkeit 2500 mm. Durch die hohe Profiliergeschwindigkeit ist eine anschließende Auslaufbahn von 6 m notwendig. Dort werden die abgetrennten Profile gesammelt und können gefahrlos entnommen werden.

  • Arbeitshöhe: 1.050 mm
  • Arbeitswellen: Ø 100; Einzelantrieb
  • Achsabstand: variabel zwischen 170 – 450 mm
  • Werkzeugbreite: 660 mm
  • Nenndurchmesser Unterwelle: 240 mm
  • Profiliergeschwindigkeit: 100 m/min