Gegenwärtig forscht das PtU an vier Schwerpunkten: Flexibilisierung, Intelligente Profilierprozesse und Assistenzsysteme, Herstellung von Querschnittsverzweigungen durch kontinuierliche Spaltprozesse.

Seit den 1970er Jahren zählt Forschung auf dem Gebiet des Walzprofilierens zu den Kernkompetenzen des PtU, das damals noch IfU hieß. Heute stehen dem Institut zwei Profilierstraßen zur Verfügung, auf denen neben konventionellen Gerüsten eine Vielzahl an Eigenentwicklungen, wie Kalibrier- und Spaltgerüste oder Gerüste mit zusätzlichen Freiheitsgraden zum Einsatz kommen. Um auch in Zukunft eine wirtschaftliche und gleichzeitig ökologisch verträgliche Produktion sicherstellen zu können, ist die ständige Neu- und Weiterentwicklung industrieller Fertigungsprozesse von entscheidender Bedeutung. Die Schwerpunkte am PtU liegen auf der Erforschung einer verbesserten Planbarkeit inkrementeller Prozesse sowie der Profiliertechnik mit einer Vielzahl verschiedener Ansätze.

Ein probates, konstruktives Mittel zur Verwirklichung des Leichtbaugedankens sind lastangepasste Querschnitte tragender Teile. Deren produktionstechnische Umsetzung durch Walzprofilieren stellt den Ingenieur vor das Problem, dass dieses Verfahren klassischerweise keine Änderungen des Querschnitts in Profillängsrichtung und damit auch keine Anpassung an Lasten in dieser Richtung zulässt. Das flexible Walzprofilieren ermöglicht die Fertigung von Profilen mit veränderlicher Breite durch die Hinzunahme zusätzlicher rotatorischer und translatorischer Freiheitsgrade an den Gerüsten. So können die Rollenpositionen einem veränderlichen Sollquerschnitt folgen. Eine translatorische Verstellung erlaubt überdies das Profilieren von Blechen mit in Längsrichtung veränderlicher Dicke, sog. Tailor Rolled Blanks (TRB). Durch das am PtU entwickelte flexible Rollsicken wird die Gestaltungsfreiheit von Kaltprofilen zusätzlich erweitert, indem das Verfahren die Herstellung höhenveränderlicher Querschnittsverläufe realisiert.

Der hohen Wirtschaftlichkeit von Profilierverfahren steht oftmals ein hoher Justageaufwand der Anlage gegenüber. In der industriellen Praxis erfolgt die Feineinstellung der Umformgerüste auf Basis von Erfahrungswerten der Facharbeiter. Durch Integration von Kraft- und Drehmomentsensorik in den Anlagen können Ansätze der künstlichen Intelligenz beim Walzprofilieren in Form von Assistenzsystemen umgesetzt werden. Gewonnene Informationen über die Prozesskräfte und Antriebsmomente stehen dabei im Zusammenhang mit den zu korrigierenden Rollenfehlstellungen. Daraus können die erforderlichen Justagemaßnahmen an den Facharbeiter formuliert werden. Eine sensorische Prozessüberwachung ermöglicht darüber hinaus die Detektion abbremsender Rollen oder Rollensegmente. Daraus abgeleitete Maßnahmen, wie z. B. frei drehbare Rollensegmente, Änderung des Walzspalts oder eine gezielte lokale Einstellung tribologischer Zustände, steigern die Energieeffizienz des Prozesses.

Spaltprofilieren und Spaltbiegen sind Eigenentwicklungen des PtU. Sie zählen zu den Verfahren der Blechmassivumformung und dienen der Erzeugung von Verzweigungen des Blechquerschnitts ohne Materialdopplung. Die Verzweigungen entstehen dabei in einem kontinuierlichen Profilierprozess bei Raumtemperatur, entweder an der Bandkante (Spaltprofilieren) oder in der Bandfläche (Spaltbiegen). Durch Kombination mit konventionellem Profilieren entstehen so z. B. Mehrkammerprofile aus höherfestem Stahl vom Band. Das flexible Spaltprofilieren erzeugt, analog zum flexiblen Walzprofilieren, in Längsrichtung veränderliche und gleichzeitig verzweigte Querschnitte.